Bonnies Blog :-) - Dreampudel

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Malerfürstentum Karlsruhe


Liebe Tante Gabi,

Das meine kleine Schwesta Emmi oft seltsame Ideen hat, habe ich dir ja schon beim letzten Mal geschrieben. Aber diesmal hat sie wirklich den Pudel abgeschossen.... beziehungsweise den Schofför!

Du weißt ja, dass ich eine Weltreisende bin. Seit Du mich vor fast vier Jahren den Rhein rauf in die Provinz nach Bonn geschickt hast, fahren sie mit mir durch die Gegend - ob ich will oder nicht. Das liegt auch daran, dass der Mann ein Künschtler ist und ich ihn immer dahin begleite, wo er Leuten das Malen beibringt - oder auch mal das Schlimmste verhindert, je nach dem.

Ich hatte so viele geniale Berufswünsche, wollte mein vielfältiges Potential entfalten und ausleben. Als Grillmeisterin bei Maredo zum Beispiel. Oder als Whistleblowerin von hinterm Regenbogen. Ich wollte Meutehund werden und eine Fuchsjagd anführen oder Wildhüterin in meinem Königreich in der Voreifel. Stattdessen friste ich mein Dasein nun als Kunschtkritikerin und Reiseschriftstellerin. Seit Emmi mir dabei gelegentlich Gesellschaft leistet, ist es wenigstens ganz lustig.


Einmal im Jahr fahren wir nach Bad Reichenhall, wo wir an der Akademie in der Alten Saline das Schlimmste verhindern...das heißt, wir machen dort ein Seminar. Und neulich war es wieder soweit. Sie haben mich um vier Uhr morgens aus dem Bett gezerrt und mich mitsamt Gepäck für mindestens eine Alpenüberquerung ins Auto gestopft. Bevor ich überhaupt wusste wie mir geschieht, sind wir auch schon auf der großen Straße nach Süden gebraust. Unterwegs haben sie sich darüber unterhalten, dass sich doch noch ganz schön viele Leute kurzfristig angemeldet haben. Da ahnte ich noch nichts Böses und versuchte das Beste aus der Situation zu machen - ich träumte von der Jagd auf Gemsen und Steinböcke...Naturschutz, na gut, dann eben wenigstens Alpenmäuse.

Montagmorgen fuhren wir pünktlich bei der Alten Saline vor. Ich wollte grade aus meinem Reisebettchen hüpfen, da kam ein gelbes Geschoss auf den Parkplatz gebrettert, so dass die Kieselsteinchen nur so flogen.... „Huuuhuuu Schwestaaaaaa......“ höre ich es quietschen, als ein mir nur allzu bekannter Tourbus mit angezogener Handbremse um den Brunnen schlingert und dann mit einer Vollbremsung direkt vor dem Haupteingang zum Stehen kommt. Aus dem Beifahrerfester hängt wild gestikulierend meine Schwesta Emmi. Hinterm Steuer - na wer wohl? Ihr Schofför. Uns allen dreien fällt die Kinnlade runter, erst dem Mann, dann der Frau, dann mir: Was hat sie denn nun schon wieder ausgeheckt??
Grade frage ich mich, warum der Tourbus irgendwie Schlagseite hat, da geht auch schon die Schiebetür auf und Emmi springt mir freudestrahlend entgegen. Und da sehe ich es: Der Tourbus ist bis unters Dach mit Leinwänden, Farben und Pinseln vollgestopft!
Ohwei, ohwei, ohwei!

Du darfst es nicht weitersagen, Tante Gabi, aber der Schofför ist eine multiple Persönlichkeit. So wie Doktor Jekyll und Mister Hyde. Nur dass in ihm noch sehr viel mehr steckt: Schofför, Frisör, Inschenör, Gärtna und Hundeträna. So kommt Emmi auf einen ganzen Stab an Personal, während ich mich hier mit meinen zwei mickrigen Handlangern begnügen muss. Aber sie ist halt auch ein Rockstar, da gelten andere Dimensionen. Allerdings läuft es mit ihrer Karriere auch nicht mehr so, sie tingelt ein bisschen durch die Fußgängerzonen und Einkaufszentren - wenn du weißt was ich meine.
Aus diesem Grund hat sie sich nun in den Kopf gesetzt, dass der Schofför auch endlich mal Geld verdienen soll. Sie glaubt, dass in ihm ein Päintör, also ein Maler stecken könnte und den soll MEIN Künschtla jetzt für sie wecken. Deshalb hat sie den Schofför kurzerhand und vor allen Dingen heimlich zum Seminar angemeldet. Ein Malerfürst soll er werden und sie will seine Muse sein.

Ohwei, ohwei, ohwei!!!
Der arme Schofför, denke ich so bei mir, als er voll motiviert sein Material die Treppe rauf schleppt und meine Schwesta mich in ihre hochfliegenden Pläne einweiht. So möcht ich meine Leute auch mal im Griff haben.... Aber auch ich kriege Verhaltensregeln: ich darf den Schofför nicht kritisieren, sagt Emmi, weil der zart besaitet und empfindlich ist. Positive Verstärkung soll den Paintör zum Vorschein bringen - so lautet ihre ausgefeilte Strategie. Also muss ich mich mit meiner Kunschtkritik zurückhalten. Außerdem soll ich so nebenbei die ein oder andere Bemerkung zur Karlsruher Kunstszene in meinen Block mit einfließen lassen und dabei helfen, den Schofför ganz groß rauszubringen.
Ich frage mich wieviel davon der hoffnungsvolle Kunschtstudent eigentlich weiß. Jedenfalls scheint er immer noch zu glauben, dass er nur für sich und auch nur zum Spaß den Pinsel schwingt. Der Ahnungslose.

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und schon die Motivauswahl gestaltet sich schwierig. Schwesta Emmi ist nämlich ziemlich eitel. Der Hintern darf nicht zu dick aussehen, die Nase nicht zu groß und das Kreuz nicht zu breit. Lieber noch ein bisschen mehr im Profil und so, dass es ihrer Linie schmeichelt. Du lieber Himmel! Irgendwann wird es dem Künschler zu bunt (ha, ha, kleiner Sprachwitz!). Er drückt dem Schofför ein Foto von Emmi im Wald in die Hand und sagt ihm, er soll die Leinwand jetzt mal richtig attackieren. Emmi legt sich gleich hinter ihn auf den Boden, erstens um genau auf ihre Proportionen aufzupassen und zweitens, damit er nicht abhauen kann. Ich lege mich daneben und schließe die Augen, weil ich plötzlich große Angst habe.
    
Als ich sie nach einer ganzen Weile vorsichtig wieder öffne lege ich die Ohren an: der Schofför attackiert munter die Leinwand, wie es ihm der Künschtler gesagt hat. Und er macht das richtig gut! Also kein Witz jetzt, Tante Gabi, ganz großes Kino!
Als professionelle Kunschtkritikerin habe ich natürlich mein eigenes Bewertungsschema: es gibt Bilder die sind Kaki, es gibt Bilder die sind voll Kaki und es gibt welche die sind einfach unglaublich Kaki. Und dann gibt es solche die sind toll, andere sind voll toll und nur sehr wenige sind erste Sahne.
    
Und jetzt kommts: ich bin mir ziemlich sicher, dass es uns gelungen ist tatsächlich den Paintör im Schofför zu wecken! Das erste Bild ist wirklich toll. Das zweite ist voll toll, das muss selbst ich zugeben. Das dritte aber ist erste Sahne....allein die Linienführung und der expressionistische Stilbruch....also die Sache läuft!

            

Ich bring den Schofför alias Paintör ganz groß raus: wir rufen Karlsruhe zum Malerfürstentum aus - als neuen Hotspot der zeitgenössischen Pudelmalerei!

Emmi ist voll im Glück! Zur Feier des Tages spendiere ich ihr ein fesches bayerisches Halstuch – als Muse kann sie jetzt nicht mehr alle Tage mit ihrem verwaschenen Fünf-Euro-Chihuahua-Halsband rumlaufen. Auf den Pressefotos posieren wir im Partnerlook und gucken süß, weil süßguckende Hunde super für die Verkaufszahlen sind. Und weil wir das am besten können. Und die schicke ich Dir jetzt, Tante Gabi, damit Du siehst, dass doch noch was ganz Anständiges aus uns geworden ist! Und ich bin sicher, dass es nicht die letzten sind…..

Grüße und Küsse den Rhein hinunter!
Deine Bmaus


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